Hohe Krebsrate: Kein Zusammenhang mit HCB

Die Krebsrate in Kärnten ist im österreichweiten Vergleich am höchsten. Am schlechtesten schneidet der Bezirk St. Veit/Glan ab, in dem das Görtschitztal liegt. Es bestehe kein Zusammenhang mit dem HCB-Skandal, beruhigt Michael Kundi vom Wiener Institut für Umwelthygiene.

Im Görtschitztal ist immer noch ungewiss, wie viel des gefährlichen Umweltgifts HCB die Menschen durch kontaminierte Lebensmittel aufgenommen haben. Dass das Gift zumindest in Tierversuchen Krebserregend ist, ist erwiesen. Nun sorgt eine Krebs-Statistik in Kärnten für Aufregung. Demnach ist die Krebsrate im Süden um 20 Prozent höher als in Rest-Österreich.

Bezirk St. Veit ganz vorne

Pro 100.000 Einwohner erkranken in Kärnten pro Jahr 313 Menschen an Krebs. Das ist im Bundesländervergleich die höchste Krebsbrate. Der Schnitt liegt bei 265 Erkrankungen, fast 20 Prozent weniger als in Kärnten. Noch mehr Menschen als im Landesschnitt erkranken im Bezirk St. Veit an der Glan an Krebs. Dort sind es 344 pro 100.000 Einwohner, also um 31 Krebskranke mehr als in den anderen Kärntner Bezirken. Diese Zahlen stammen aus den Jahren 2009 bis 2011.

Michael Kundi vom Institut für Umwelthygiene an der Universität Wien bestätigt die Zahlen. Die Neuerkrankungen seien in Kärnten deutlich höher als im restlichen Österreich. Allerdings liege die Sterblichkeit im Durchschnitt. Warum in Kärnten die Krebsrate höher sei, könne man nicht so einfach beantworten, sagt der Experte. Manches gehe darauf zurück, dass die Meldedisziplin in Kärnten sehr hoch sei, so Kundi. Auch der Lebensstil der Bevölkerung, die Zahl an Rauchern oder das Bewusstsein für Gesundheit spielen eine Rolle, sagt der Wissenschaftler.

„Krebs hat jahrzehntelange Entwicklung“

Der aktuelle HCB-Skandal sei aber keinesfalls verantwortlich für die hohe Krebsrate, sagt Kundi: „Krebserkrankungen haben eine jahrzehntelange Entwicklung. Es ist unmöglich, dass sich etwas, dem sie voriges Jahr ausgesetzt waren, auf die Krebsrate auswirkt.“ Das Wiener Institut für Umwelthygiene unter der Leitung von Michael Kundi startet eine Langzeitstudie, um der hohen Krebsrate in Kärnten auf den Grund zu gehen.

Beim Land Kärnten betonte man, die jahrzehntelange Belastung der Görtschitztaler Bevölkerung, vor allem durch Asbest, sei seit langem bekannt, es sei aber unseriös, jetzt mit Neuerkrankungs-Zahlen einen Zusammenhang mit der HCB-Problematik herstellen zu wollen. Auch die Grundwasserbelastung durch die Deponie in Brückl werde seit Jahren genau beobachtet, es gebe ein regelmäßiges Monitoring der Gurk, auch der Fischbestand werde immer wieder untersucht.

Polemik bei aktueller Stunde in Landtag

Im Kärntner Landtag wurde am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde auf Vorschlag der ÖVP über den Hexachlorbenzol-Skandal debattiert worden. Trotz des Titels „Schulterschluss im Görtschitztal“ gab es genügend Polemik und gegenseitige Schuldzuweisungen - mehr dazu in Landtag: Aktuelle Stunde zu HCB.

Links:

-

Werbung X