HCB: Experten orten keine Gesundheitsgefährdung

Rund 1.000 Besucher haben Freitagabend in Brückl und Klein St. Paul die ersten beiden öffentlichen Informationsveranstaltungen des Landes nach dem HCB-Skandal besucht. Experten versicherten, dass es nicht zu einer Gesundheitsgefährdung kam.

Zu den Informationsveranstaltung in Brückl und Klein St. Paul geladen hatte das Land, Landespolitiker und Fachleute standen der besorgten Bevölkerung des Tales Rede und Antwort. Für 300 Gäste war der Saal in Brückl zugelassen, tatsächlich kamen rund 400 bis 500, ein Zeichen, dass der HCB-Skandal im Görtschitztal weiterhin viele Menschen bewegt.

HCB Infoveranstaltung Brückl Paul
APA/Eggenberger

Das Podium bei den Veranstaltungen war hochkarätig besetzt, die Landespolitik war mit LH Peter Kaiser, Gesundheitsreferentin Beate Prettner (Beide SPÖ), Rolf Holub von den Grünen und ÖVP-Landesrat Christian Benger vertreten. Die Fachbeamten des Landes wurden verstärkt durch Vertreter des Umweltbundesamtes und des Institutes für Krebsforschung.

Kaiser: Klarer Fehler

Warum habe das Land den HCB-Ausstoß in den Wietersdorfer Zementwerk nie kontrolliert, wollen viele Görtschitztaler wissen und kritisierten die Behörden. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) stellte einmal mehr fest: „Es hat einen Bescheid vom 15.12.2010 gegeben, der auch aussagt, wo die Blaukalk-Verbrennungen durchzuführen sind. Dem ist zuwider gehandelt worden. Das ist nicht die Schuld von irgendjemandem, sondern das ist ein klarer Fehler entgegen dem Bescheid.“ Landesrat Christian Benger (ÖVP) kündigte einen Soforthilfefonds für betroffene Bauern an.

Umweltmediziner beruhigten

„Ich kann Ihnen garantieren, dass Sie keine Gesundheitsgefährdung erlitten haben“, bestätigte Umweltmediziner Michael Kundi. „Die Dosis macht das Gift“, erklärte Kundi. Wäre HCB noch mehrere Jahre emittiert worden, hätte es durchaus auch zu einer Gesundheitsgefährdung kommen können. „Deshalb muss das auch gestoppt werden“, so Kundi. Es brauche noch weitere Daten, wie lange HCB eingewirkt habe, deshalb seien auch Blutproben wichtig, so Kundi.

Das von der Firma Wietersdorfer emitierte HCB, das vom Körper möglicherweise aufgenommen worden sei, sei nicht ausreichend, um Krebs zu erzeugen, erklärte Toxikologe Wilfried Bursch.

Auch Karl Kienzl vom Bundesumweltamt konnte einigermaßen Entwarnung geben. In der kommenden Vegetationsperiode sei die aktuelle Belastung weitgehend vorbei. „Man wird sich das aber natürlich weiter ansehen müssen“, so Kienzel. Spazierengehen oder im Freien spielende Kinde seien nach den vorliegenden Ergebnissen jedenfalls „überhaupt kein Problem“.

HCB Infoveranstaltung Brückl Paul
ORF
Vertreter der Landespolitik und Fachexperten sollten der Bevölkerung Rede und Antwort stehen.

AGES: Keine „nachhaltige Gesundheitsschädigung“

Präsentiert wurde bei der Informationsveranstaltung auch eine Risikoabschätzung der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf der Basis der Untersuchungen von Lebensmittelproben aus dem Görtschitztal bzw. der Region. Demnach sei keine nachhaltige Gesundheitsschädigung durch eine Hexachlorbenzol-Belastung zu erwarten. Die Risikobewertung wurde vom Gesundheitsministerium beauftragt. Die Risikoabschätzung erfolgte auf Grundlage der von 27. März bis 10. Dezember vorliegenden Lebensmittelproben.

Bei der Risikobewertung sei der Extremfall angenommen worden, nämlich dass sich die Bevölkerung ausschließlich von Produkten aus dem Görtschitztal ernähre. Am stärksten könnten Milch und Milchprodukte sowie Fleisch zu einer Belastung beitragen. Die Risikoabschätzung fällt demnach für alle Belastungsformen (akut: bis zu 14 Tage, mittelfristig: 15 Tage bis ein Jahr) und längerfristig so aus, dass nachhaltig mit keiner Gesundheitsgefährdung zu rechnen sei.

Von den insgesamt 2.000 Proben in 400 Betrieben wurde die Hälfte ausgewertet. Auch die meteorologischen Daten, die aussagen sollen, welche Gebiete in Kärnten von der HCB-Emission noch betroffen sein könnten, sollen nächste Woche vorliegen, sagte Umweltlandesrat Rolf Holub von den Grünen.

Greenpeace: Entwarnung verfrüht

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnt in Sachen HCB-Belastung im Görtschitztal weiter zur Vorsicht. Solange nicht bekannt sei, wie viel Hexachlorbenzol tatsächlich in die Umwelt und die Nahrungskette gelangt sei und ob auch andere Umweltgifte in relevanten Mengen vom Zementwerk ausgestoßen wurden, sei es verfrüht, eine Gesundheitsgefahr auszuschließen - mehr dazu in HCB: Greenpeace rät weiter zu Vorsicht.

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