HCB - weltweit verbreitet und hartnäckig

Hexachlorbenzol (HCB) ist ein weltweit vorkommender Schadstoff, der krebserregend und hormonell schädigend wirkt. Der im Görtschitztal verbrannte Blaukalk wurde vermutlich bei der Lagerung in der ehemaligen Deponie der Donau Chemie in Brückl u.a. mit HCB vermischt.

HCB ist ein organischer Schadstoff, der in der Umwelt grundsätzlich überall verbreitet ist und sich aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit in der Nahrungskette anreichert, wie die AGES, die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, informiert. HCB wirkt krebserregend und hormonell schädigend. Der Schadstoff ist kaum wasserlöslich, wässriges Gemüse oder Wasser nehmen den Schadstoff daher nicht oder kaum auf. 2008 wurde HCB in steirischen Kürbiskernen nachgewiesen. Die AGES definierte danach „eine duldbare tägliche HCB-Aufnahme“ von 0,01 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht.

Früher wurde HCB als Pestizid und Fungizid zur Saatgutbeize verwendet und ist als solches seit 1992 verboten. HCB ist auch eine von zwölf Chlorverbindungen, die mit der 2004 in Kraft getretenen Stockholmer Konvention praktisch weltweit verboten wurden und die salopp als „Dreckiges Dutzend“ bezeichnet werden. Es wurde auch bei der Produktion von Sprengstoff und synthetischem Gummi verwendet und entsteht als Nebenprodukt bei der Synthese verschiedener organischer Verbindungen.

Langsamer Abbau im Boden

HCB ist langlebig und schwer abbaubar. Die Wissenschaft geht von einer Halbwertszeit von ungefähr 20 Jahren im Boden aus, das heißt, dass in 20 Jahren die Hälfte abgebaut ist, wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärt. Für den Menschen könne eine länger dauernde Aufnahme von jeweils geringen Mengen dabei problematischer sein als eine einmalige hohe Aufnahme. Generell gelte, dass Kinder, Schwangere und stillende Frauen besonders gefährdet sind. Über den Abbau im Körper gibt es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Laut Greenpeace ist davon auszugehen, dass er viele Jahre dauert. Einsetzen könne er erst dann, wenn keine Neuaufnahme mehr erfolgt. Eine wirkungsvolle „Entgiftungsmethode“ sei nicht bekannt.

Emissionen sanken um 55 Prozent

Die Emissionen in Österreich sind laut Umweltbundesamt von 1990 bis 2012 um 55 Prozent auf etwa 41 Kilo gesunken. Die größten Reduktionen wurden in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre in den Sektoren Industrie (v.a. in der Eisen- und Stahlindustrie) und Kleinverbrauch sowie durch das Verbot bestimmter Stoffe in Pflanzenschutzmitteln erzielt. Größer Verursacher war im Jahr 2012 der Kleinverbrauch, auf den fast 85 Prozent der HCB-Emissionen zurückgehen. Rund 14 Prozent stammten aus der Industrie.

Blaukalk erst in Deponie verseucht

Blaukalk ist ein Neben- beziehungsweise Abfallprodukt, das bei chemischen Prozessen anfällt, er wird als Baustoff und Dünger verwendet. Der Stoff selbst ist nicht giftig, der im Görtschitztal verbrannte Blaukalk sei aber vermutlich bei der Lagerung in der ehemaligen Deponie eines Werks der Donau Chemie in Brückl u.a. mit dem Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) vermischt worden, sagte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster am Freitag zur Austria Presse Agentur (APA).

Zusätzlich wurden in Brückl demnach chlorkohlenwasserstoffhältige Filter bzw. CKW-hältige Schlämme abgelagert. Unter den schwerflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen waren Hexachlorbutadien und das nun in Lebensmitteln festgestellte Hexachlorbenzol. In den Ablagerungen wurden laut Umweltbundesamt sehr hohe Schadstoffgehalte festgestellt.

Der Blaukalk sei in der Chlorproduktion als Abfallprodukt angefallen, erläuterte Schuster. Es handelt sich dabei um Kalziumhydroxid - im unterschied zum gewöhnlichen Kalk, der als Kalziumkarbonat in der Natur vorkommt. Durch die Vermischung mit weiteren Stoffen in der Deponie sei giftiger Kalkschlamm entstanden, so der Chemiker. Der dort gelagerte Blaukalk enthält laut Greenpeace auch andere giftige Chemikalien, darunter Quecksilber. Auch in Niederösterreich wurde der belastete Blaukalk aus Brückl verwertet, nun wurde die Verertung eingestellt – mehr dazu in HCB: Blaukalk wurde auch in NÖ verwertet.

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