HCB: Kehrtwende bei Wietersdorfer

Die Wietersdorfer Zementwerke, die bereits eingeräumt haben, für die HCB-Belastung im Görtschitztal zumindest mitverantwortlich zu sein, sagen nun, man habe sich genau an die Bescheide gehalten. Das Land hält dagegen: Es habe bei der Blaukalkverbrennung Fehler gegeben.

Am Mittwoch war ein ORF-Kamerateam bei den Wietersdorfer Zementwerken in Brückl. Auf dem Gelände lagern noch 600 Tonnen kontaminierter Blaukalk aus der Donau Chemie AG Deponie, wo bis in die 90er-Jahre HCB als Getreidefungizid erzeugt wurde. Normalerweise würde diese Menge in sechs Tagen verbrannt sein. Für die Aufarbeitung von insgesamt 95.000 Tonnen bekomme man mehrere Millionen Euro, so die Werksleitung. Genaue Zahlen werden nicht genannt.

Wietersdorfer und Peggauer  Blaukalk Ofen HCB
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Nicht direkt in Ofen eingebracht

Der Blaukalk wurde in eine Mühle und dann weiter in den bis zu 1.450 Grad heißen Drehrohrofen befördert. Er wurde im Produktionsverlauf vor dem Ofen eingebracht und nicht direkt in den Ofen, so Betriebsleiter Bernd Schaflechner: „Wir haben in unserer Anzeige beschrieben, wie wir den Blaukalk aufarbeiten und wie wir es beschrieben haben, lautet es im Bescheid. Der ist widersprüchlich. Das Material durchläuft das Temperaturspektrum von der Rohmühle bis zu Sinterzone des Drehofens.“

Wietersdorfer und Peggauer  Blaukalk Ofen HCB
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Land: Bescheid eindeutig

Ganz anders sieht das das Land Kärnten. Der Bescheid aus dem Jahr 2010 sei eindeutig und hier nicht eingehalten worden, sagte Albert Kreiner, der HCB-Krisen-Koordinator des Landes Kärnten: „Der Bescheid ist ganz eindeutig. Er legt fest, wo der Blaukalk eingebracht hätte werden dürfen und mit welcher Temperatur er zu verbrennen gewesen wäre. Die Wietersdorfer haben ja selbst zugegeben, dass das nicht der Fall war. Wo gibt es da Zweifel?“

Insider sagen, bei der Wietersdorfer-Variante könne in gleicher Zeit mehr verbrannt werden als bei der vorgeschriebenen. Beim Lokalaugenschein sah man, dass es keinen zweiten Ofen auf dem Gelände gibt, aus dem das Gift hätte entweichen können. Es hatte immer wieder geheißen, das Material sei in einem „anderen“ Ofen bei zu geringer Temperatur verbrannt worden. Geschäftsführer Mayr-Knoch räumte bei einer Bürgerinformation ein, dass es Fehler gegeben habe - mehr dazu in HCB-Skandal: Tumulte bei Bürgerversammlung.

Zwist um „freiwilligen“ Verbrennungsstopp

Derzeit wird im Görtschitztal kein HCB-belastetes Material verarbeitet, so Geschäftsführer Wolfgang Mayr-Knoch: „Der Bescheid, den die Behörde am 24.11. ausgestellt hat, beinhaltete eine Änderung bezüglich des ursprünglichen Bescheides aber keinen Stopp der Eingabe des Blaukalks.“ Man dürfte eigentlich weiterhin HCB-Blaukalk verbrennen.

Auch das sieht das Land Kärnten anders als die Werksleitung, so Kreiner: „Es ist im Zuge der Besprechung am 7. November im Rahmen der unmittelbaren Befehls- und Zwangsgewalt der Abfallwirtschaftsbehörde mündlich dieses Verbot ausgesprochen worden. Wenn man es unternehmensfreundlich sagen will, kann man sagen, die Wietersdorfer haben freiwillig dieser Zwangsmaßnahme zugestimmt.“ Wie groß der Anteil des Zementwerkes an der HCB-Belastung im Tal ist, wird noch untersucht. Ob die Fehler, die gemacht wurden strafrechtlich relevant sind, wird ermittelt.

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